BilMoG – Warum die Handelsbilanz so wertvoll ist

Gastautor StB / WP Wolfgang Stephan, Filderstadt www.stephan-stb.de

Bilanzieren – Ein Begriff der nicht nur im Handelsrecht besteht! Oder ?

Privat ziehen wir ehrlich Bilanz

Denken Sie einmal daran, wie Sie im hohen Alter über ihr Leben Bilanz ziehen, (über Ihr Leben), also was war gut – was nicht. Oder denken Sie daran, wie Sie Ihre Beziehung, Ehe, Partnerschaft bilanzieren. Rechnen Sie sich dabei ärmer oder reicher? Lügen Sie sich also selber in die Tasche? – Manchmal vielleicht. Aber dennoch, wenn wir eine Bilanz ziehen unter eine Partnerschaft, dann sehen wir uns an, was wirklich war: Was war positiv und was nicht. Wir lassen nichts bewusst weg. Wir rechnen nicht bewusst mit falschen Daten, nur um das eine oder andere Ergebnis zu erhalten. Wenn wir also außersteuerlich bilanzieren, dann sind wir in aller Regel ehrlicher.

Und unternehmerisch?

Wenn wir allerdings jährlich unser Unternehmen bilanzieren, dann lassen wir Sachverhalte weg und  rechnen uns meistens besser. Warum? Weil der Steuergesetzgeber sich nicht die Butter vom Brot nehmen lässt! Bisher galt, was im Steuerrecht anzusetzen ist, wird mit diesen Werten so auch in der Handelsbilanz angesetzt. Damit ist seit 2010 nun Schluss!

Jetzt dürfen wir handelsrechtlich ehrlicher sein! Wir dürfen selbstgeschaffene Entwicklungskosten ansetzen, Pensionsrückstellungen mit dem tatsächlich höheren Wert ansetzen, bei der Rückstellungsberechnung Preissteigerungen einbauen, andere dem tatsächlichen Werteverzehr entsprechende Abschreibungen bei den Sachanlagen berücksichtigen und vieles mehr.

Die Handelsbilanz zeigt die tatsächlichen Verhältnisse

Das heißt die Handelsbilanz wird ein Stück ehrlicher. Sie gleicht sich der internationalen Rechnungslegung an, die zum Stichtag ein genaues Abbild des Unternehmensvermögens liefern möchte.

Was nützt Ihnen eine Bilanz, die ein falsches Bild liefert, die Sie in Sicherheit wiegt, weil die Pensionsrückstellungen zu niedrig angesetzt waren? Jetzt können Sie reagieren und Rücklagen für den Leistungsfall bilden und sich entsprechend darauf einstellen. Oder die bisherige Bilanz, die sie ärmer rechnete, weil sie Ihre anfänglichen Entwicklungskosten gar nirgendwo zeigen durften. Neue Geschäftspartner werfen immer öfter(s) einen Blick in das Unternehmensregister. Sobald das Eigenkapital negativ ist, haben diese vielleicht eine Hemmschwelle Sie zu kontaktieren. Mit der Aktivierung Ihrer Entwicklungskosten zeigen Sie sich positiver.

Die Umstellungsphase stellt die Weichen

Aber es gibt Wahlrechte und Übergangsregelungen! Eine große Bedeutung kommt deshalb der Umstellungsphase per 01.01.2010 zu: Hier werden die Weichen für die Zukunft gestellt: Soll ein möglichst hohes Eigenkapital, idealerweise ohne Erfolgswirkung, ausgewiesen werden, oder sollen möglichst hohe stille Reserven sowie Vermeidung stiller Lasten gelegt werden? Sie haben die Wahl! Moment! – Also doch wieder kein genaues Bild der Vermögenslage, doch wieder Verzerrungen? – Im gewissen Sinne ja, denn schließlich will man kein Unternehmen nur wegen der BilMoG- Bilanzierung in die Insolvenz treiben.

Also freuen Sie sich auf die neue Handelsbilanz. Sie ist ein gutes Stück ehrlicher und bietet eine deutlich bessere Grundlage für unternehmerische Entscheidungen.

Steuerbilanz existiert künftig parallel zur Handelsbilanz

Ein kleiner Wermutstropfen bleibt nicht aus: Das Finanzamt will natürlich daneben wie bisher die Steuerbilanz als Grundlage zur Steuerfestsetzung haben. Damit verbunden sind logischerweise auch höhere Kosten. Aber diese Trennung von der Steuerbilanz macht die Handelsbilanz um ein gutes Stück wertvoller.

StB / WP Wolfgang Stephan
Karl-Benz-Str. 19, 70794 Filderstadt
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