Working Capital steuern und damit zur Finanzierung nutzen

Folgende Ausgangslage stellt sich bei vielen Unternehmen wie folgt dar:

• Durch die Finanzkrise sind in vielen Fällen die EK-Reserven aufgebraucht. Die Finanzierung durch den klassischen Bankkredit wird daher immer schwieriger.

• Hinzu kommt, dass die Bank auf Grund von Basel II und III sowie der zum Teil ebenfalls schlechten Ertrags- und Kapitalsituation insgesamt bei der Finanzierung vorsichtiger werden.

• Der Weg über die Innenfinanzierung wurde in den letzten Jahren nur dann genutzt, wenn alle anderen Möglichkeiten bereits ausgeschöpft waren. Dies muss sich in Zukunft drastisch ändern

Die aktive Steuerung des Working Capitals bringt dabei mehrere Effekte:
• Steigerung des Rentabilität
• Reduktion von Risiken
• Stärken der Innenfinanzierung
• Unabhängigkeit gegenüber Kreditinstituten erhöht sich

Dabei sind folgende Stellhebel zur aktiven Steuerung möglich und im Einzelfall zu untersuchen:

Finanzen

Factoring:
• Factoring ist die Veräußerung der Forderungen bis hin zu dem kompletten Management der Außenstände (Outsourcing).
• Bestimmte Branchen sind vom Factoring nahezu ausgeschlossen.
• Kosten des Factoring-Unternehmens müssen den internen Kosten gegenübergestellt werden.

Offene Posten – Management:
• Aufbau eines aktiven OP- Management
• Regelmäßiger Mahnlauf
• Erhöhen der Zahlungsfrequenz (Abschläge, Monatsraten, etc.)
• Qualifizierte Ansprache durch Finanzbuchhaltung und Vertrieb
• Sperren von Kunden nach festgelegten Regeln

Debitoren Management:
• Aktive Bewertung der Kunden mit Hilfe von Kunden-Portfolios
• Kundensegmentierung und damit verbunden Zahlungsarten /Zahlungsziele
• Regelmäßige Überprüfung der Kundenbonität

Retouren-Management:
• Festlegung der Retouren-Prozesse
• Überwachung der Retouren und Absprache mit Vertrieb
• Retouren-Abteilung darf nicht zum Vertrieb gehören

Leasing:
• Es muss zwischen dem echten Leasing und dem Finanzkauf unterschieden werden.
• Im echten Leasing verbessert sich die Bilanzrelation, da das genutzte Wirtschaftsgut nicht aktiviert wird.

Kapital

Desinvestion:
• Das vorhandene Vermögen wird überprüft, ob es betriebsnotwendig ist.
• Das nicht betriebsnotwendige Vermögen wird veräußert.
• Betriebsnotwendiges Vermögen, das nur selten genutzt oder nur wenig ausgelastet ist wird gesondert betrachtet. Hier kommen unterschiedliche Alternativen (make or buy, Miete, Subunternehmen, etc.) in Betracht

Abbau von Vorräten:
• Mit Hilfe von Lagerkennzahlen und Lagerdauer wird ermittelt, ob die bestehenden Vorräte für Roh-. Hilfs- und Betriebsstoffe angemessen sind.
• Die Vorräte werden auf das Mindestmaß, das für die Produktion notwendig ist reduziert.
• Durch ein aktives Supply Chain Management kann die Lagerhaltung weiter optimiert werden.
• Weitere Möglichkeit ist die Einrichtung von sog. Konsignations-Lager. Dafür muss eine ausreichende Verhandlungsmacht gegenüber dem Zulieferer bestehen.

Prozesse

Prozesskosten-Rechnung:
• Durch die Verkürzung der Prozessdurchlaufzeiten, kann auch der Cashflow maßgeblich verbessert werden.
• In der Regel werden dabei die folgenden Prozesse betrachtet:
• Order to cash (Auftragsabwicklung bis Zahlungseingang)
• Purchase to pay (Feststellung des Einkaufsbedarfs bis Zahlungsausführung)
 •Forecast to Fullfill (Umsatzplanung bis Leistungserstellung)
• Der höchste Effekt wird erzielt, wenn alle Prozesse aufeinander abgestimmt sind.
• Voraussetzung für die Verbesserung des Cashflows ist jedoch, dass die definierten Standard-Prozesse auch eingehalten werden.
• Die übliche Kostenrechnung auf Kostenstellen verkennt, dass viele Unternehmen nicht mehr in Hierarchien aufgebaut sind, sondern dass der Arbeitsvorgang, in Prozessen stattfindet.
• Die Wertschöpfungskette ist deshalb auch das wichtigste Untersuchungsobjekt der Prozesskostenrechnung. Dabei sind gegebenenfalls auch die Zulieferer und Abnehmer mit einzubeziehen. Diese unternehmensübergreifende Prozesskette wird auch als „Supply Chain“ bezeichnet.
• Mit Hilfe der Prozesskostenrechnung können auch die Cashflows untersucht und optimiert werden.

Insgesamt können durch die unterschiedlichen beschriebenen Stellhebel im Einzelfall das Working Capital zum positiven gesteuert und damit zu einer enormen Innenfinanzierung genutzt werden.

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