Home-Office – Spagat zwischen Familie und Beruf

Der Heimarbeitsplatz als Treiber für eine flexible Arbeitswelt!

StB Rüdiger Stahl

von StB Rüdiger Stahl, Steuermanufaktur Netphen-Wilnsdorf-Burbach, www.steuermanufaktur.com

Die Stanford University führte einen Versuch mit Angestellten eines Callcenters durch. Neun Monate lang arbeiteten diese im Home Office – ihre Arbeitsleistungen wurden gemessen. Ergebnis: Im Vergleich zu ihrer Zeit im Büro waren sie um 13 Prozent produktiver. Sie waren außerdem seltener krank und deutlich zufriedener mit ihrer Arbeit! Dass klingt doch für jeden Arbeitgeber verlockend!

Zeitdruck, zu viel Arbeit und mangelnde Anerkennung belasten Mitarbeiter. Laut einer Krankenkassenstudie verringert ein Drittel die Belastung durch ein Home Office. Ist das nicht ein Argument für den Heimarbeitsplatz?

Und: Eine Umfrage des Instituts für Betriebliche Mitbestimmung bei mehr als 1 000 Betriebsräten hat zudem gezeigt, dass in Deutschland die Arbeitgeber immer noch nicht sehr familienfreundlich sind. Nur rund zehn Prozent der Unternehmen fördern Mitarbeiter mit Kindern und beschränken sich aber dabei in erster Linie leider nur auf flexible Arbeitszeiten und Teilzeitregelungen. Dabei könnte eine familienfreundliche Personalpolitik der Firma durchaus Kosten sparen und zudem den Fachkräftemangel erheblich verringern – so die Befragten. Noch immer nicht überzeugt?

Obwohl wir im 21. Jahrhundert leben und die Menschen sowohl technisch als auch kulturell selbstverständlich in der Lage sind, zeitlich und räumlich flexibel zu arbeiten, glauben die meisten Führungskräfte noch immer an die gute alte Präsenzkultur. Natürlich gibt es Branchen, beispielsweise in der Gastronomie oder Bauhandwerk bei der die Mitarbeiter nur vor Ort arbeiten können. Doch wird das Home-Office auch dort wo es faktisch möglich wäre von vielen Unternehmen nur als eine Art notwendiges Übel toleriert – aber noch lange nicht als selbstverständlich respektiert.

Dabei gibt es gute Gründe für den Heimarbeitsplatz: 86% der Arbeitnehmer nennen die bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Familie als Hauptgrund für den ausgelagerten Arbeitsplatz. Der damit verbundene Vorteil von zeitlicher Flexibilität ist für 79% der maßgebende Grund. Und fast zwei Drittel sehen den Wegfall des Arbeitsweges und damit die gewonnene Zeit als einen Vorteil an. Ebenfalls für zwei Drittel liegt der Hauptgrund für die Arbeit von zu Hause aus in der höheren Zufriedenheit mit ihrer Arbeit. Die geringere Kontrolle durch Kollegen und Vorgesetzte spielt dagegen keine Rolle.

Natürlich gibt es auch skeptische Einschätzungen: So sagen 57% der Arbeitnehmer, dass sich die Arbeit im Home-Office mit der Freizeit stark vermischt. 46% sind der Meinung, dass die Arbeit im Home Office zur sozialen Isolation führt.

Auf Arbeitgeberseite sind 79% der Meinung, dass die Arbeit von zu Hause die Mitarbeiter flexibler und damit zufriedener macht und dazu führt, die Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden. Dennoch fördern nur 27% der Unternehmen aktiv eine Arbeit im Home Office.

Dabei müssen natürlich die Grundvoraussetzungen für eine Implementierung einer Home-Office-Kultur gegeben sein:

  1. Vertrauenskultur
  2. flexible  Vertrauensarbeitszeit
  3. EDV-gestützte Arbeitsabläufe

Sicherlich sind dabei die Vertrauenskultur und die Vertrauensarbeitszeit in manchen Köpfen auf der Arbeitgeber- als auch Arbeitnehmerseite ein Kulturschock. „Zählst Du die Minuten noch oder vertraust Du schon“ ist dabei sicherlich selbsterklärend.

Notwendig für ein Home Office sind dabei auch die auf diese Prozesslandschaft ausgerichteten Arbeitsabläufe. Sicherlich ist die Cloud förderlich für eine flexiblere Arbeitswelt mit Integration von Heimarbeitsplätzen. Dadurch wird erst eine bessere Form der Collaboration ermöglicht. Der unkomplizierte Zugriff auf die notwendigen papierlosen Daten von überall und zu jeder Zeit muss in einem solchen System gewährleistet werden.

Wer sich mit dem Thema weiter auseinandersetzen möchte, kann sich bei der Initiative “Erfolgsfaktor Familie” des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unter www.erfolgsfaktor-familie.de informieren.

Eine gute Anlaufstelle sind sicherlich auch die Steuerberatungskanzleien im delfi-net, die hier schon viele Erfahrungen gesammelt haben. Die Steuerberater-Branche gilt seit je her als Vorreiter für innovative Arbeitszeitmodelle.

Und an alle, die dann noch immer bezweifeln, dass Freiraum und Selbstverantwortung Mitarbeiter zufriedener und gleichzeitig produktiver machen: Einfach ausprobieren! Frei nach dem Motto: Alle sagten: “Das geht nicht.” Dann kam einer, der wusste das nicht, und hat es einfach gemacht!

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Autor: Angela Hamatschek
Datum: Dienstag, 26. Januar 2016 8:26
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