Ein Mythos entlarvt: Kommen 2/3 der Steuerliteratur aus Deutschland?

Immer wieder wird behauptet, dass 2/3 der Steuerliteratur aus Deutschland stammen und dringender Entbürokratisierungsbedarf besteht.

Der inzwischen emeritierte Finanzforscher Albert Rädler hat die Behauptung mit einem einfachen Maßband als Mythos entlarvt. Rädler stieg in die Bibliothek des Amsterdamer International Bureau of Fiscal Documentation (IBFD), eine der umfassendsten Sammlungen von Steuerliteratur weltweit. Dort maß er aus, wie viele der insgesamt 2000 Regalmeter auf Bücher und Zeitschriften entfallen, die sich mit dem deutschen Steuerrecht beschäftigen.

Das Ergebnis: Nur etwa 200 Meter, also zehn Prozent. Eine Auswertung der elektronischen Bestände ergab einen Anteil von knapp 15 Prozent. Ein weiterer Vergleich zeigt ein ähnliches Ergebnis:  Laut einer Studie der Weltbank und der Beratungsfirma PwC, die den Umfang der Unternehmensteuergesetze in verschiedenen Ländern verglichen hat, passen in Deutschland die Bestimmungen und Paragrafen auf 1700 Seiten – die Vereinigten Staaten dagegen brauchen 5100 Seiten, Japan sogar 7200. Deutsche Unternehmen benötigen laut einer weiteren Studie deutlich weniger Zeit als ihre Konkurrenten in Nachbarländern, um zu ermitteln, wie viel Steuern sie zahlen müssen.

Doch auch wenn der Mythos entlarvt ist, gibt es reichlich Ansatzpunkt, um das Steuerrecht überschaubarer und einfacher zu machen

Insgesamt gibt es in Deutschland 27 Steuergesetze, wobei der hohe Anteil der Genusssteuern mit 26 %  entweder zeigt, dass das Finanzamt weiß, wo es besonders viel zu holen gibt oder dort vielleicht ja selbst gern mal ein Gläschen genossen wird. Oder wie lässt es sich sonst erklären, dass vier Gesetze speziell für alkoholische Getränke erlassen sind, nämlich das Alkopopsteuergesetz, das Biersteuergesetz, das Branntweinmonopolgesetz und das Schaumweinsteuergesetz.

Wahr ist allerdings, dass die Geschwindigkeit und der Umfang der Änderungen laufend zunehmen, und 40% der Steueränderungen im Dezember erlassen werden. Für Steuerberater eine ständige Herausforderung, die durch regelmäßige Fortbildung und Fachliteraturstudium gemeistert wird.

 

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Autor: Angela Hamatschek
Datum: Dienstag, 22. Januar 2013 10:09
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